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Was ist Balancierte Ohrakupunktur

Balancierte Ohrakupunktur wird theoretisch und praktisch gelernt. Hier üben Kursteilnehmer am Ohr.Die Balancierte Ohrakupunktur nach Seeber® ist eine Weiterentwicklung der Ohrakupunktur. Sie ist einfach im Konzept, bezieht die individuelle Konstitution des Patienten mit ein und sehr effektiv anzuwenden. Sie ist in zwei Tagen Zeit erlernbar und ergänzt andere Therapieverfahren hervorragend.

Sie heißt »Balancierte Ohrakupunktur«, da sie verschiedene medizinische und therapeutische Prinzipien miteinander vereint, die sich scheinbar gegenüber stehen. Dadurch erhöht sie ihre Wirksamkeit und Anwendbarkeit bei den unterschiedlichsten Patienten und Therapeuten.

Die Balancierte Ohrakupunktur entstand aus dem Bedürfnis des Ohrakupunkteurs und Arztes Jan Seeber, die oftmals komplizierten Herangehensweisen der verschiedenen Ohrakupunkturschulen zu klären, zu lichten und zu einem einfachen, anwendbaren System zu vereinen.

Nach der anfänglichen Anwendungs-Vereinfachung entstand die didaktische Vereinfachung, die den Grundstein der Balancierten Ohrakupunktur nach Seeber setzte.

Im Laufe der Jahre wurden die Ansätze verfeinert, ergänzt und durch einen theoretischen Hintergrund vervollständigt. Das Ergebnis wird heute in der Ausbildung Balancierte Ohrakupunktur im Yase-Institut vermittelt.

Die Grundlage dazu finden Sie in unserem Ausbildungskonzept und der dazu gehörigen Vorteile.

Balanciert bedeutet: 
Konzept statt Rezept – individuelle Therapie für jeden Patienten und dennoch ein klares und einfaches Vorgehen.
Ohrzonen statt festgelegter Einzelpunkte – innerhalb dieser Zonen wird der individuelle Punkt des Patienten gesucht.
5 Nadeln führen zum Ziel – die jede einen anderen Ansatz am Ohr des Patienten verfolgt.
Das Konzept ist so angelegt – dass der Therapeut sicher ist und automatisch durch die Praxis besser wird.
Die Ohrakupunktur ist als alleinige Therapiemethode ausgesprochen wirksam – gleichzeitig vertieft und intensiviert die Ohrakupunktur viele andere Therapieverfahren in Kombination.

Die Grundprinzipien sind leicht zu erlernen. Dies geschieht im Basis-Intensiv-Seminar Balancierte Ohrakupunktur. Daraufhin folgt die wirkliche Vertiefung in drei Aufbauseminaren, in der die darunter liegenden Mechanismen der Balancierten Ohrakupunktur erlernt und erfahren werden. Die umfassende Vollausbildung schließt mit einer Prüfung und dem optionalen Zertifikat Balancierte Ohrakupunktur ab.
Doch schon nur mit den Inhalten des Basis-Intensiv-Seminars können Sie viele Erkrankungen und Beschwerden in der täglichen Praxis akupunktieren.

Hier finden Sie eine vertiefende Darstellung zur Balancierten Ohrakupunktur (pdf) »

Die Grundlagen der Ohrakupunktur

OhrmodellDie Ohrakupunktur ist eine sog. somatotope Therapieform, d.h. im Modell der Ohrakupunktur ist der gesamte Mensch - wie auf einer Schalttafel - im Ohr abgebildet.

Somatopie setzt sich zusammen aus Soma, dem Körper – und Topos, dem Punkt. Die Abbildung des Körpers in einem Punkt, in einem Areal, hier im Ohr.

Ist ein Körperteil erkrankt, so stellt sich diese Störung des Körpers zum einen im (ebenfalls Somatotop) Gehirn als veränderte Nervenaktivität dar - und gleichzeitig spiegelt sich diese Aktivitätsveränderung am Ohr: Das zugehörige Areal des Ohres verändert sich. Diese Veränderungen können sehr leicht und so klein sein, so daß sie nicht ganz einfach erkannt werden. Die Fähigkeit des Erkennens einer gestörten Ohrzone ist die Grundlage für eine gute und erfolgreiche Ohrakupunktur. Diese ist erlernbar und wird durch Erfahrung weiter geschult (im Yase-Institut legen wir sehr großen Wert auf eine gute Punktsuche und unser Lernkonzept ist über die Seminare hinaus darauf ausgelegt).

Ist eine gestörte Zone im Ohr erkannt, können daraus zum einen Rückschlüsse auf den Zustand des Körpers gezogen werden (eine sehr vorsichtig anzuwendende Diagnostik über das Ohr - dies setzt sehr viel Erfahrung vom Ohrakupunkteur voraus!). Vor allem aber wird darüber therapiert. Die Therapie erfolgt durch das Stechen einer Akupunkturnadel in den aktiven Punkt. Der aktive Punkt ist der stärkste Punkt in einer gestörten Zone am Ohr. Der »very point«. Durch das Setzen einer Nadel in diesen Punkt werden die Regulationsmechanismen des Körpers angeregt, sich um die Störung zu kümmern. All dies geschieht auf dem Weg über das ZNS, das zentrale Nervensystem (nach gegenwärtigen Arbeitsmodellen postuliert).

Wichtig ist hierbei das wirklich exakte Treffen dieses aktiven Punktes. Denn da das Ohr im Vergleich zum menschlichen Körper recht klein ist, ist auch das abgebildete Organ (die gestörte Zone mit dem aktiven Punkt) im Ohr sehr klein. Und je genauer ich ich die Störung treffe, um so besser ist mein Erfolg in der Behandlung.

Erklärungsmodelle

Das Ohr entsteht (während der Entwicklung eines Menschen) aus einer Ausstülpung des Gehirns. Deshalb ist die gegenwärtig hauptsächlich verwendete Arbeitshypothese, dass es eine (im Detail ungeklärte) Verbindung zwischen Gehirn und Ohr gibt. Über diese Verbindung beeinflussen Ohr-Impulse (also die Nadel) die nervale Verarbeitung von Schmerz- und anderen Reizen im Gehirn. Daher können im Ohr sowohl Informationen des Gehirns „eingesehen werden“, als auch über das Ohr beeinflusst werden. Wirkungsnachweise siehe unten.

Die Abbildung im Ohr

In der Ohrmuschel befindet sich die Abbildung des Körpers mit seinen Armen, Beinen, Muskeln und Organen. Es gibt aber ebenfalls Punkte, die eine übergeordnete Funktion haben. Über diese Punkte können z.B. Schmerzen gelindert werden, Schlafstörungen oder hormonelle Störungen günstig beeinflußt werden, usw.

Es existieren Karten, die diejenigen Regionen des Ohres zeigen, in denen sich bestimmte Abbildungspunkte oder übergeordnete Punkte am Ohr befinden. Allerdings ist jedes Ohr so verschieden, dass diese Karten nur Hinweise geben können, wo sich die Punkte befinden. Deshalb muß ich als guter Ohrakupunkteur in der Lage sein, den aktiven Punkt bei diesem speziellen Patienten zu finden. Denn aus unserer Sicht kann nur so eine erfolgreiche Therapie über die Ohrakupunktur erfolgen.

Die Ursprünge der Ohrakupunktur

Auch wenn es Hinweise gibt, daß diese Therapieform schon seit mehreren tausend Jahren existiert, so wurde sie vornehmlich in Europa zu der Form weiterentwickelt, mit der wir heute arbeiten. Es beginnt in Frankreich:

Nogier und die Aurikulotherapie / Auriculotherapie

Paul Nogier, ein französischer Arzt, beobachtet wiederholbare Effekte über die Reizung der Ohrmuschel Anfang der 50ger Jahre. Er nennt die von ihm entwickelte Form 'Auriculotherapie'. 1956 stellt er sie in Marseille der Weltöffentlichkeit vor und begründet damit die Ohrakupunktur in ihrer heutigen Form.

China, TCM und Akupunktur

In China, dem »Ursprungsland« der Akupunktur und der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) haben diese Veröffentlichungen in den 50er Jahren zu einer Rückbesinnung auf die alten Wurzeln geführt und es entstand eine eigene Schule der Ohrakupunktur.

Auch in Rußland haben sich Forscher, insbesondere Durinjan und Portnov, der Ohrakupunktur zugewandt. Durch diese verschiedenen, voneinander unabhängigen Entwicklungen hat die Ohrakupunktur unterschiedliche Hintergründe bekommen.

Ohrakupunktur in Deutschland

Im Deutschland gab es vornehmlich zwei Strömungen in der Ohrakupunktur. Zum einen die Weiterverfolgung und Weiterentwicklung der französischen Schule (Aurikulotherapie). Die hierzu gehörigen Namen sind vor allem Bachmann und Bahr, der mittlerweile ein eigenes, sehr komplexes System daraus entwickelt hat.

Zum anderen die integrative deutsche Schule, die die chinesischen und französischen Ansätze miteinander verbindet. Hier sind insbesondere Krack, Lange und Rubach zu nennen. (Anmerkung: Günter Lange ist übrigens mein (Jan Seeber) geistiger Mentor der Ohrakupunktur (auch wenn wir uns nie persönlich kennengelernt haben).

Auf die integrative deutsche Schule aufbauend hat der Arzt Jan Seeber die Balancierte Ohrakupunktur entwickelt. Sie entstand aus dem Bedürfnis, die oftmals komplizierten Herangehensweisen der verschiedenen Ohrakupunkturschulen zu klären, zu lichten und zu einem einfachen, anwendbaren System zu vereinen.

Dies ist die Grundlage der Lehre im Yase-Institut.

Nachweis der Wirksamkeit der Ohrakupunktur - Ergebnisse der Studie Balancierte Ohrakupunktur nach Seeber

 

Wir haben unsere Kursteilnehmer in den Jahren 2007 bis 2010 über ein Jahr nach dem Abschluss des Basis-Intensiv-Seminars wissenschaftlich begleitet.

Bei der Befragung nach den Erkrankungen, die am häufigsten und am besten mit der Ohrakupunktur in der Praxis behandelt werden, ergaben sich fünf große Gruppen.
Für die Behandlungserfolge dieser Erkrankungen wurden Noten erfragt (1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittelmäßig, 4 = schlecht). In untenstehender Tabelle werden die Krankheitsgruppen und Krankheitsbilder jeweils nach absteigender Häufigkeit aufgeführt.

Diagnoseø-Note
Orthopädische Erkrankungen 1,9
Rückenschmerzen 1,9
Schulter-Arm-Beschwerden 1,8
LWS-Beschwerden 2,1
Kniebeschwerden 2,2
Die orthopädischen Erkrankungen machen die größte Gruppe der Therapieerfolge aus. Auffallend ist, dass praktische alle Therapeuten hier mit der Balancierten Ohrakupunktur hervorragende Erfolge erzielen.  
Allergische Erkrankungen 1,9
Heuschnupfen 2,0 
Asthma 1,5
Psychische Störungen 1,9
Stress-Abbau 1,83 
vegetative Dysfunktion 1,5
Prüfungsanst 2,3
Schmerzen (ohne Orthopädie)  
Kopfschmerz 2,4
Migräne 1,8
Phantomschmerz 2,0
Auffällig ist, dass die Ergebnisse – im Gegensatz zu den bisherigen Gruppen – von Behandler zu Behandler sehr schwanken (Notenbreite: 1-4). Die orthopädischen Schmerzen sind durchgehend gut (1,9) und sind bei den orthopädischen Erkrankungen oben gelistet.  
Magen-Darm-Beschwerden 1,8
Reizdarm, funktionelle Störungen 1,8
Hormonelle Regulationsstörungen 2,3 
Menstruationsstörungen (Notenbreite 1 bis 4) 2,2
Wechseljahresbeschwerden (Notenbreite 1 bis 3) 2,2
Rheumatische Erkrankungen 2,7

 
Zudem wurden viele Erkrankungen genannt, bei denen einzelne Therapeuten mit der Ohrakupunktur hervorragende Behandlungserfolge erzielen. Dazu gehören z.B. Neuralgien, Tinnitus, Schlafstörungen und chronische Bronchitis. Auch die OP-Begleitung (präoperative Reduktion von Angst, post-OP geringerer Verbrauch an Schmerzmitteln, weniger Durchgangssyndrome und weniger Komplikationen bei Extubation), Begleitung in der Sucht-Behandlung und Fersensporn, sowie Coccygodynie profitieren öfters von der Balancierten Ohrakupunktur.

Für den geringen Aufwand, den die Balancierte Ohrakupunktur erfordert (sowohl im Erlernen als auch in der Anwendung und im Setting in der Praxis), sind diese Ergebnisse sehr positiv beeindruckend. Wir danken allen Teilnehmern für Ihre Teilnahme.

Seit 2020 haben wir eine neue Datenerhebung gestartet, um mehr Details der Wirksamkeit und Grundlagen der Wirksamkeit der Ohrakupunktur zu erfassen.

Wirtschaftlichkeit und Effektivität der Ohrakupunktur im Praxis-Setting

Wir wollten ebenfalls wissen, wie gut lässt sich die Balancierte Ohrakupunktur in eine bestehende Praxis integrieren. Dazu  haben wir unsere Kursteilnehmer in den Jahren 2007 bis 2010 über ein Jahr nach dem Abschluss des Basis-Intensiv-Seminars wissenschaftlich begleitet.

Bei der Auswertung wurden alle Teilnehmer berücksichtigt, die Ärzte oder Heilpraktiker sind.

Anwendung der Balancierten Ohrakupunktur nach einem Jahr

Anwendung Balancierte Ohrakupunktur nach Seeber nach einem Jahr: 92 % angewendet, 8 % nicht angewendet

Ein Jahr nach dem Basis-Intensiv-Seminar wenden noch 92 Prozent der Kursteilnehmer die Ohrakupunktur in ihrer Praxis an. Die meisten, die die Ohrakupunktur nach einem Jahr nicht mehr anwenden, tun dies aus beruflichen Gründen (z.B. Elternzeit oder gerade keine Praxistätigkeit).

Wie Erfolgreich bewerten Sie die Balancierten Ohrakupunktur?

Erfolge mit der Balancierte Ohrakupunktur nach Seeber nach einem Jahr: 20 % sehr gut, 61 % gut, 19 % mittelmäßig, 0 % schlecht

Die Wirksamkeit der Balancierten Ohrakupunktur haben wir allgemein (unabhängig von der Erkrankung) erfragt. Ein Jahr nach Besuch des Basis-Intensiv-Seminars der Balancierten Ohrakupunktur nach Seeber wird die Wirkung von 61 Prozent der Befragten mit „gut” angegeben. Es gab keine einzige Rückmeldung „schlecht” unter den Ärzten und Heilpraktikern. Ein Fünftel der Therapeuten bezeichnet die Wirkung der Ohrakupunktur sogar als „sehr gut”.

Rangplatz der Balancierten Ohrakupunktur unter den angewendeten Therapien

Rangplatz Balancierte Ohrakupunktur nach Seeber unter Therapieformen: Rang 1: 7 %, Rang 2: 36 %, Rang 3: 19 %, Rang 4: 16 %, Rang 5: 16 %, nicht eingeordnet: 6 %

Wir haben ebenfalls die fünf häufigsten Therapieverfahren in der Praxis erfragt. Die Frage lautete: Welches sind die fünf wichtigsten Methoden in Ihrer Praxis, die am häufigsten angewendet werden: (1.,2.,3.,4.,5.)?

Bei der Basis-Befragung zum Zeitpunkt des ersten Ohrakupunktur-Kurses hat die Ohrakupunktur noch den Platz 0 eingenommen (sie war als Therapieverfahren noch nicht verfügbar).

Nach einem Jahr hat sich die Ohrakupunktur mit einem festen Platz im Therapiegefüge der einzelnen Praxen etabliert. Die Ergebnisse entnehmen Sie bitte der oben stehenden Grafik.

Erfahrene Ohrakupunkteure profitieren ebenfalls von der Balancierten Ohrakupunktur nach Seeber

Für die Teilnehmer, die schon mit Ohrakupunktur gearbeitet haben, haben wir ebenfalls die Veränderungen untersucht:

Entwicklung der Balancierten Ohrakupunktur in der Praxis

Entwicklung Balancierte Ohrakupunktur in der Praxis

Auch erfahrene Ohrakupunkteure profitieren vom Besuch des Basis-Intensiv-Seminars: Hier verbesserte sich der Stellenwert der Ohrakupunktur im Schnitt um 1 Verfahren nach vorne (auf der Skala der fünf wichtigsten Therapieverfahren von Rang 3,8 auf Rang 2,7). Außerdem wurden nach dem Seminar deutlich mehr Patienten in der Praxis mit Ohrakupunktur behandelt.

Erstmalige Veröffentlichung der Balancierten Ohrakupunktur

hier finden Sie den ersten Artikel zum didaktischen Konzept des Yase-Institutes:Artikel Balancierte Ohrakupunktur Seite 1
»Balancierte Ohrakupunktur« (PDF ~630 kB)

Nachdruck aus:

Akupunktur Theorie und Praxis 30,1 (2002),
Medizinisch Literarische Verlagsgesellschaft mbH,
Groß Liederner Str. 45, 29525 Uelzen.
url: www.mlverlag.de, E-Mail: mlverlag@mlverlag.de

Dieser Artikel stellt die erste Veröffentlichung des Konzepts der Balancierten Ohrakupunktur nach Seeber dar. Er erschien 2002 und stellt sozusagen ein »geschichtliches Dokument« der Balancierten Ohrakupunktur dar.

Weitere Referenzen zum Einsatz von Ohrakupunktur im klinischen Alltag: